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Geförderte Umschulungen und Fachkräftesicherung in Sachsen, ein Überblick
Geförderte Umschulungen in Sachsen: Bildungsgutschein, Eingliederungszuschuss, Reha, AZAV-Träger in Leipzig und Dresden, Förderbeträge und Beispielrechnung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Geförderte Umschulungen in Sachsen finanzieren vor allem die Bundesagentur für Arbeit nach dem SGB III; bei gesundheitlichen Gründen übernimmt die Deutsche Rentenversicherung.
- Der Bildungsgutschein deckt die förderfähigen Lehrgangskosten vollständig, der Eingliederungszuschuss fließt an den einstellenden Betrieb.
- In Leipzig und Dresden arbeiten unter anderem WBS Training, IBB, DAA, bfw und die DEKRA Akademie; die AZAV-Zulassung gilt je Bildungsbereich.
- Eine flächendeckende Vermittlungsquote gibt es nicht öffentlich. Sie wird beim Träger erfragt, während die Agentur Maßnahmen und Teilnehmer dokumentiert.
- BeispielrechnungBei 2.900 Euro Bruttolohn und 50 Prozent Eingliederungszuschuss über zwölf Monate zahlt die Agentur 17.400 Euro.
Wer Umschulungen in Sachsen bezahlt
In vielen Regionen Sachsens schrumpft die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, während Betriebe in Chemnitz, Zwickau oder Görlitz Personal suchen. Gleichzeitig wollen Menschen ohne Berufsabschluss oder mit einem Abschluss in einer schrumpfenden Branche neu starten. Dazwischen liegt die Umschulung, meist zwei Jahre in Vollzeit, finanziert aus öffentlichen Kassen.
Kostenträger und Leistungen
Agentur/Jobcenter
- Leistung
- Bildungsgutschein
- Empfänger
- Arbeitslose, Beschäftigte
- Rechtsgrundlage
- SGB III
Deutsche Rentenversicherung
- Leistung
- Umschulung, Übergangsgeld
- Empfänger
- Gesundheitlich Gefährdete
- Rechtsgrundlage
- Berufliche Reha
Den größten Teil zahlt die Bundesagentur für Arbeit. Grundlage ist das Dritte Buch Sozialgesetzbuch, dessen Regeln zur Weiterbildungsförderung im Volltext des SGB III nachlesbar sind. Jobcenter und Agentur entscheiden nach Bedarf, Arbeitsmarktlage und Zielberuf.
Ist die Erwerbsfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen gefährdet, wechselt die Zuständigkeit zur beruflichen Reha der Deutschen Rentenversicherung. Sie finanziert Umschulungen, Anpassungsqualifizierungen und Hilfen am Arbeitsplatz.
Wer Umschulungen bezahlt
Leistung
- Agentur für Arbeit oder Jobcenter
- Bildungsgutschein für Lehrgangskosten
- Agentur für Arbeit
- Eingliederungszuschuss an den Betrieb
- Deutsche Rentenversicherung
- Umschulung und Übergangsgeld
- Betrieb
- Zuschuss zum Arbeitsentgelt
Wer sie erhält
- Agentur für Arbeit oder Jobcenter
- Arbeitslose, von Arbeitslosigkeit Bedrohte, Beschäftigte ohne Abschluss
- Agentur für Arbeit
- Betriebe, die eine förderungsbedürftige Person einstellen
- Deutsche Rentenversicherung
- Versicherte mit gefährdeter Erwerbsfähigkeit
- Betrieb
- Beschäftigte, deren Arbeitsplatz ohne Qualifizierung gefährdet ist
Eine Doppelförderung ist nicht vorgesehen. Die Rentenversicherung prüft zuerst die medizinische Notwendigkeit, die Agentur zuerst die Arbeitsmarktlage.
Bildungsgutschein: in vier Schritten zur geförderten Umschulung
Der Gutschein wird nicht automatisch ausgegeben, sondern setzt ein Beratungsgespräch voraus.
Bildungsgutschein in vier Schritten
- Termin bei Jobcenter oder Agentur vereinbaren
- Zielberuf und Bildungsbereich klären
- Träger wählen und Kostenvoranschlag anfordern
- Gutschein einlösen, drei Monate gültig
- Termin vereinbaren, bei Leistungsbezug beim Jobcenter, sonst bei der Agentur für Arbeit.
- In der Beratung Zielberuf, Vorkenntnisse und Dauer klären, damit der Gutschein den passenden Bildungsbereich erhält.
- Träger auswählen, Kostenvoranschlag anfordern und die Zulassung für genau diesen Bereich prüfen.
- Gutschein beim Träger einlösen. Er ist in der Regel drei Monate gültig, danach verfällt er.
Der Gutschein deckt die förderfähigen Lehrgangskosten vollständig und gilt für jeden zugelassenen Träger, nicht nur für den zuerst genannten. Betriebe erhalten Zuschüsse direkt, etwa Eingliederungszuschüsse und Zuschüsse zur Weiterbildung Beschäftigter. Voraussetzungen und Antragswege beschreibt die Bundesagentur unter Förderung der Arbeitsaufnahme.
Kosten, Förderbeträge und eine Beispielrechnung
Die konkrete Summe steht im Kostenvoranschlag, den der Träger für den Bildungsgutschein erstellt. Er enthält Lehrgangs- und Prüfungsgebühren sowie Materialkosten für die gesamte Laufzeit, bei Vollzeitumschulungen meist 24 Monate. Förderfähige Positionen übernimmt die Agentur vollständig, nicht anteilig.
Zusätzlich sind Fahrtkosten, Kinderbetreuung und eine auswärtige Unterbringung erstattungsfähig, wenn sie erforderlich sind. In einer Reha-Maßnahme zahlt die Rentenversicherung Übergangsgeld, dessen Höhe sich am bisherigen Einkommen orientiert.
Teilnehmerzahlen und Kostenstrukturen weist die amtliche Statistik aus: Das Statistische Bundesamt veröffentlicht Daten zur beruflichen Bildung, gegliedert nach Ländern und Maßnahmearten. Eine trägerbezogene Vermittlungsquote steht dort nicht, sie wird beim Träger oder im Beratungsgespräch erfragt. Fragen Sie dabei nach den letzten drei Kursen, nicht nach dem Gesamtdurchschnitt.
Beispielrechnung: Eingliederungszuschuss nach einer Umschulung
Angenommen, ein Logistikbetrieb am Flughafen Leipzig/Halle stellt eine Umschülerin mit 2.900 Euro Bruttolohn ein und erhält zwölf Monate lang einen Eingliederungszuschuss von 50 Prozent. Dann trägt die Agentur 1.450 Euro monatlich, insgesamt 17.400 Euro.
Die Werte sind beispielhaft. Die Sätze richten sich nach Vermittlungshemmnissen, Alter und Förderdauer, bei besonderen Hemmnissen sind höhere Quoten möglich. Der Antrag muss vor Beginn der Beschäftigung gestellt werden, sonst entfällt der Zuschuss.
AZAV-zertifizierte Träger in Leipzig und Dresden
Abgerechnet werden kann nur, was zugelassen ist. Die Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung regelt, welche Träger öffentlich finanzierte Maßnahmen durchführen dürfen. Die Zulassung gilt je Bildungsbereich und Standort. Ein Anbieter kann also für Pflege zugelassen sein und für IT nicht.
Zu den bundesweit tätigen Anbietern mit Standorten in Sachsen gehören unter anderem:
AZAV-zertifizierte Träger
- WBS Training AG, Standorte Leipzig, Dresden und Chemnitz, Schwerpunkt kaufmännische Berufe und Umschulungen mit Bildungsgutschein
- IBB Institut für Berufliche Bildung, Standorte Leipzig und Dresden, unter anderem kaufmännische Berufe, IT und Pflege
- DAA Deutsche Angestellten-Akademie, mehrere Standorte in Sachsen, breites Fächerspektrum und Erfahrung mit Reha-Maßnahmen
- bfw Berufsfortbildungswerk, Standorte in Sachsen, technische und kaufmännische Qualifizierung
- DEKRA Akademie, Leipzig und Dresden, Schwerpunkt technische Weiterbildung, Logistik und Arbeitssicherheit
Dazu kommen die Bildungszentren der Kammern. Die Handwerkskammer Dresden und die Handwerkskammer zu Leipzig betreiben Bildungs- und Technologiezentren, die Industrie- und Handelskammern sind zuständige Stellen für Prüfungen.
Ob ein Anbieter aktuell für den gewünschten Beruf zugelassen ist, lässt sich in der Trägerdatenbank der Bundesagentur für Arbeit prüfen. Die Zulassungsentscheidung muss der Träger im Erstgespräch vorlegen.
Branchenschwerpunkte in Leipzig und Dresden
Branchenschwerpunkte Leipzig und Dresden
| Branche | Leipzig | Dresden |
|---|---|---|
| Logistik und Verkehr | stark, Frachtflughafen und Güterverkehr | mittel, Bahn und Zulieferer |
| Gesundheitswirtschaft | Kliniken, Pflege, Therapie | Universitätsklinik, Pflege, Forschung |
| IT und Software | wachsend, Dienstleister und Start-ups | wachsend, Halbleiterumfeld |
| Fahrzeug- und Maschinenbau | Zulieferer, Werkstätten | mittel, Zulieferer und Elektronik |
| Öffentliche Verwaltung | Landesbehörden, Kommunen | Landesbehörden, Hochschulen |
In Leipzig treibt der Frachtflughafen die Nachfrage nach Fachkräften in Lager, Zoll und Spedition. In Dresden prägt die Halbleiter- und Elektronikindustrie den Arbeitsmarkt, dort finden Umschüler in Mikrotechnik, Anlagenbedienung und Qualitätssicherung regelmäßig offene Stellen.
In beiden Städten ist die Gesundheitswirtschaft der verlässlichste Sektor, von der Pflegefachkraft bis zur medizinischen Fachangestellten. Im ländlichen Raum entscheidet dagegen die Erreichbarkeit des Trägers über den Erfolg.
Checkliste für die Trägerauswahl in Sachsen
- Zulassung für den konkreten Bildungsbereich zeigen lassen, bei WBS Training, IBB oder DAA getrennt je Berufszweig
- Kostenvoranschlag schriftlich anfordern und vor dem Einlösen des Gutscheins bei der Agentur prüfen lassen
- Zahlen zu Abbruch und Eingliederung der letzten Kurse erfragen, nicht nur Teilnehmerzufriedenheit
- Prüfungszuständigkeit klären, je nach Abschluss Handwerkskammer oder IHK
- Standort und Fahrtweg prüfen, in Leipzig und Dresden oder in einem Kammerzentrum im Umland
Ein Trägerwechsel während der Maßnahme ist möglich, kostet aber Zeit. Dafür braucht es eine neue Zuweisung der Agentur, und die Restlaufzeit muss neu geplant werden.
Fachkräftesicherung: was Betriebe zusätzlich nutzen
Betriebe können mehrere Instrumente kombinieren: Umschulung mit Bildungsgutschein, Einstellung mit Eingliederungszuschuss, Qualifizierung der eigenen Belegschaft. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bündelt die Regeln zur Förderung der beruflichen Weiterbildung.
Bei betrieblichen Qualifizierungen wirkt der Betriebsrat mit. Nach § 96 BetrVG hat er bei der Förderung der Berufsbildung mitzuwirken, nach § 98 bei der Durchführung betrieblicher Bildungsmaßnahmen.
Kleinere Betriebe ohne eigene Personalentwicklung schließen sich in Weiterbildungsverbünden zusammen und lassen sich über die Servicestelle Weiterbildungsagenturen des BMAS beraten. Dort bündeln Betriebe einer Region ihre Kurse, was gerade Zulieferern im Erzgebirge und in der Lausitz den Einstieg erleichtert.
Häufige Fragen
Wer zahlt eine Umschulung in Sachsen?
Meist die Bundesagentur für Arbeit über den Bildungsgutschein nach SGB III, bei Leistungsbezug das Jobcenter. Bei gesundheitlichen Gründen übernimmt die Deutsche Rentenversicherung im Rahmen der beruflichen Reha.
Wie lange dauert eine geförderte Umschulung?
In Vollzeit in der Regel 24 Monate, bei anrechenbaren Vorkenntnissen kürzer. Dauer und Bildungsbereich stehen im Bildungsgutschein und im Kostenvoranschlag des Trägers.
Woran erkenne ich einen zugelassenen Träger in Leipzig oder Dresden?
An der AZAV-Zulassung für den konkreten Bildungsbereich. Sie lässt sich in der Trägerdatenbank der Bundesagentur für Arbeit prüfen, und der Träger muss die Entscheidung auf Verlangen vorlegen.
Können Betriebe die Umschulung mitfinanzieren?
Ja, über Eingliederungszuschüsse und Zuschüsse zur Weiterbildung Beschäftigter, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Der Antrag muss vor Beschäftigungsbeginn gestellt werden.
Was passiert, wenn ein Träger die Zulassung verliert?
Dann darf die Maßnahme nicht weiter aus Fördermitteln abgerechnet werden. Betroffene sollten sich sofort bei der Agentur melden und für die Restlaufzeit einen zugelassenen Träger suchen.



