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AZAV-Zertifizierung in Deutschland, welche Anbieter Bildungsgutscheine abrechnen dürfen

Welche Anbieter Bildungsgutscheine abrechnen dürfen, was eine AZAV-Zertifizierung kostet und welche Träger zugelassen sind: Zahlen, Beispiele, Prüfschritte.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bildungsgutscheine rechnen nur Träger ab, die nach der Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung (AZAV) zugelassen sind, je Standort und je Maßnahme.
  • Die Zulassung erteilt eine fachkundige Stelle, meist eine akkreditierte Zertifizierungsgesellschaft. Die Agentur für Arbeit prüft danach den Eintrag in ihrer Weiterbildungsdatenbank.
  • Bundesweit bekannte Anbieter reichen von IBB Institut für Berufliche Bildung und WBS Training bis zu bfz, DAA und den Bildungszentren der Handwerkskammern.
  • Erstzertifizierung je Standort meist 2.500 bis 9.000 Euro netto, Überwachungsaudit 900 bis 2.000 Euro netto, zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer.
  • Der Bildungsgutschein muss vor Beginn der Maßnahme vorliegen, rückwirkend zahlt die Agentur für Arbeit nicht.

Wer Bildungsgutscheine abrechnen darf

Zugelassen sein müssen der Träger und die konkrete Maßnahme. Grundlage ist die bundesweit geltende AZAV-Verordnung. Fehlt die Zulassung, lehnt die Agentur für Arbeit die Kostenübernahme ab, auch wenn der Kurs fachlich passt.

Ein bekannter Name ist kein Freibrief. Ein Träger kann für SAP-Schulungen abrechnungsberechtigt sein und für einen Lehrgang zur Pflegefachkraft nicht. Ebenso kann ein Standort zugelassen sein, ein anderer Standort derselben Kette nicht.

Verbindlich ist der Zulassungsbescheid mit Standorten, Maßnahmen und Laufzeit. Die Weiterbildungsdatenbank der Bundesagentur für Arbeit führt zugelassene Träger und Maßnahmen und ist die entscheidende Prüfinstanz vor jeder Buchung. Das Verfahren für Betriebe beschreibt die Bundesagentur unter Förderung von Weiterbildung für Unternehmen.

Trägerarten und typische abrechenbare Maßnahmen

Trägerarten und typische Maßnahmen

TrägerartBeispieleTypische Maßnahmen
Bundesweit tätige private TrägerIBB, WBS Training, Comcave CollegeUmschulungen, IT- und SAP-Lehrgänge, kaufmännische Qualifizierung
Prüforganisationen mit eigener AkademieDEKRA Akademie, TÜV Rheinland AkademieTechnik, Arbeitssicherheit, Qualitätsmanagement
Kammer- und VerbandsbildungIHK-Bildungsakademien, Bildungszentren der HandwerkskammernMeistervorbereitung, Ausbildereignung, Fachwirt
Verbandliche und konfessionelle Trägerbfz, DAA, Grone-BildungszentrenSprach- und Grundbildung, Qualifizierung für Arbeitsuchende
Fernschulen und Online-AkademienILS, SGDberufsbegleitende Lehrgänge mit Präsenz- und Onlinephasen

Ob ein bestimmter Kurs abrechenbar ist, ergibt sich aus dem Maßnahmenverzeichnis der Zulassung, nicht aus der Größe des Anbieters. Entscheidend bleiben Fachrichtung, Gruppengröße und Erreichbarkeit am Wohnort.

Zulassungsvoraussetzungen: Struktur, Personal, Qualitätssicherung

Geprüft wird, ob ein Träger Maßnahmen planen, durchführen und auswerten kann:

Zulassungsvoraussetzungen

  • Organisation und Ausstattungklare Verantwortlichkeiten, geeignete Räume, Lernmittel, nachvollziehbare Finanzplanung.
  • Fachliche und pädagogische Eignung der LehrkräfteAbschlüsse, Berufserfahrung, regelmäßige Fortbildung.
  • Qualitätsmanagementdokumentiertes System nach DIN EN ISO 9001 oder DIN 33459. Ein ISO-9001-Zertifikat allein berechtigt nicht zur Abrechnung.
  • Maßnahmenbezogene Zulassungeigene Prüfung von Inhalt, Dauer, Teilnehmerzahl und Erfolgskontrolle je Kurs.

Rechenbeispiel: Kosten über einen Dreijahreszyklus

Die AZAV enthält keine Gebührentabelle, jede fachkundige Stelle kalkuliert ihr Angebot selbst. Das Beispiel gilt für einen Träger mit einem Standort und drei zugelassenen Maßnahmen, alle Beträge netto zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer.

Kosten über einen Dreijahreszyklus

  • Erstzertifizierung3.500 Euro
  • Überwachungsaudits1.200 Euro
  • Rezertifizierung nach drei Jahren2.500 Euro
  • Erweiterung um eine zusätzliche Maßnahme400 bis 900 Euro
  • Interner Aufwand für Qualitätshandbuch, Personalzeit und Software: .3.000 bis 8.000 Euro

Die Summe liegt bei 9.600 Euro netto, mit 19 Prozent Umsatzsteuer bei 11.424 Euro. Träger mit mehreren Standorten zahlen häufig 15.000 bis 30.000 Euro netto je Zyklus.

Bildungsgutschein für Beschäftigte und Mitbestimmung

Seit dem Qualifizierungschancengesetz 2019 erhalten auch Beschäftigte einen Bildungsgutschein, wenn Digitalisierung, Technik oder Strukturwandel ihren Arbeitsplatz betreffen. Rechtsgrundlage ist Paragraf 81 des Dritten Buches Sozialgesetzbuch. Seit April 2024 kommt das Qualifizierungsgeld für wegfallende Tätigkeiten hinzu.

Der Antrag läuft über den Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und muss vor Kursbeginn gestellt sein. Der Träger rechnet direkt mit der Agentur ab und weist Anwesenheiten nach. html) zeigt. Kleinere Betriebe nutzen zusätzlich Weiterbildungsverbünde, in denen mehrere Unternehmen Kurse gemeinsam planen und Kosten teilen.

Häufige Fragen

Was kostet die AZAV-Zertifizierung?

Die Erstzertifizierung liegt meist zwischen 2.500 und 9.000 Euro netto je Standort, Überwachungsaudits zwischen 900 und 2.000 Euro netto, die Rezertifizierung nach drei Jahren zwischen 2.000 und 3.500 Euro netto. Hinzu kommen 19 Prozent Umsatzsteuer.

Wie lange gilt ein AZAV-Zertifikat?

In der Regel drei Jahre, danach ist eine Rezertifizierung nötig. Überwachungsaudits finden meist jährlich statt; ob ein halbjährlicher Rhythmus vereinbart ist, steht im Vertrag mit der Zertifizierungsstelle.

Können auch Beschäftigte einen Bildungsgutschein beantragen?

Ja, wenn die Weiterbildung wegen Technik, Digitalisierung oder Strukturwandel nötig ist, um die Beschäftigung zu sichern. Der Arbeitgeberservice entscheidet im Einzelfall, der Antrag muss vor Kursbeginn vorliegen.

Muss der Träger in meiner Region sitzen?

Nein. Die Zulassung gilt bundesweit, auch ein Träger aus einem anderen Bundesland darf Bildungsgutscheine abrechnen. Entscheidend sind die zugelassene Maßnahme und die Passung zum Weiterbildungsziel.

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