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Anerkennung deutscher Fortbildungsabschlüsse: Prüfpunkte für Österreich und die Schweiz
NQR-Niveaus, zuständige Stellen und ein Prüfbeispiel zum Meisterabschluss: Was Anbieter für Kurse und Zertifikate in Österreich und der Schweiz prüfen.
Wer deutsche Fortbildungsabschlüsse für einen Einsatz in Österreich oder der Schweiz prüfen möchte, sollte zwischen Kursangebot, Qualifikationsniveau und beruflicher Anerkennung unterscheiden. Weiterbildungsanbieter und Betriebe sollten zunächst die Zielaufgaben festlegen. Fachkräfte sollten ihre Abschlussunterlagen und Leistungsnachweise zusammenstellen. Versprechen Sie keine Gleichwertigkeit allein aufgrund einer ähnlich klingenden Abschlussbezeichnung.
Abschlussprofile und Qualifikationsrahmen getrennt erfassen
Erfassen Sie für Meister-, Fachwirt-, Betriebswirt- oder IHK-Abschlüsse Abschlussbezeichnung, ausstellende Stelle und Prüfungsgrundlage. Dokumentieren Sie Angaben zum Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) nur mit Beleg. Halten Sie den Verwendungszweck fest: Bewerbung, Anschlusskurs oder Berufsausübung. Übertragen Sie deutsche Niveauangaben nicht ungeprüft auf österreichische oder Schweizer Abschlüsse.
| Rahmen | Funktion oder Abschlussgruppe | Einordnung |
|---|---|---|
| Europäischer Qualifikationsrahmen (EQR) | Vergleichs- und Übersetzungsraster für nationale Qualifikationen | Achtstufig |
| Nationaler Qualifikationsrahmen Österreich | Qualifikationen des österreichischen Bildungssystems | Acht Qualifikationsniveaus |
| Nationaler Qualifikationsrahmen Österreich | Bachelor; Master; Doktorat beziehungsweise PhD | Stufe 6; Stufe 7; Stufe 8 |
| Schweizer NQR Berufsbildung | Abschlüsse der Berufsbildung | Acht Niveaustufen |
| Schweizer NQR Berufsbildung | Höhere Fachprüfungen | In der Regel Niveau 6, teilweise Niveau 7, vereinzelt Niveau 8 |
Die österreichische NQR-Zuordnung ist von der Anrechnung oder Anerkennung von Prüfungen oder Studienabschlüssen zu unterscheiden. Der NQR dient der Orientierung und berechtigt nicht zum Aufstieg in eine andere oder höhere Stufe der Bildungslaufbahn. Gesetzliche Grundlage ist das Bundesgesetz über den Nationalen Qualifikationsrahmen 2016.
Im Schweizer NQR Berufsbildung wird jeder Abschluss einzeln anhand der Kompetenzen eingestuft. Nicht alle Abschlüsse derselben Art müssen deshalb dasselbe Niveau haben. Die Trägerschaft des Abschlusses muss die Einstufung beim SBFI beantragen. Die NQR-FAQ des SBFI nennen das "Verzeichnis der eingestuften Abschlüsse" als Fundort für die Niveauangabe. Prüfen Sie die genaue Abschlussbezeichnung.
Die acht Niveaus des Schweizer NQR Berufsbildung sind den EQR-Niveaus 1:1 zugeordnet. Eine NQR-Einstufung macht Inhaberinnen und Inhaber eines Berufsbildungsabschlusses jedoch nicht automatisch zu Inhaberinnen und Inhabern eines Bachelorabschlusses. Sie hat auch keine Auswirkungen auf die Titelführung. Halten Sie deshalb Niveauangabe und Abschlussbezeichnung getrennt fest.
Anerkennung: zuständige Stellen und Rechtsgrundlagen
Für die Anerkennung gewerblicher Berufsqualifikationen bei einer Niederlassung in Österreich ist der Antrag beim zuständigen Amt der Landesregierung zu stellen. Maßgeblich ist der Standort der beabsichtigten Gewerbeausübung. Zuständige Stelle ist der jeweilige Landeshauptmann. Rechtsgrundlagen sind §§ 373d und 373e Gewerbeordnung 1994 sowie die Richtlinie 2005/36/EG.
Der Gleichhaltungsbescheid berechtigt noch nicht zur Ausübung des Gewerbes. Dafür ist zusätzlich die rechtswirksame Begründung der Gewerbeberechtigung bei der für den Standort zuständigen Behörde nötig. Bei wesentlichen Unterschieden hängt die Gleichhaltung von einem Anpassungslehrgang oder einer Eignungsprüfung ab. Trennen Sie deshalb Kursabschluss, Gleichhaltung und Gewerbeberechtigung in der Beratung.
Für Anerkennungsverfahren in der Schweiz sind je nach Berufsqualifikation unterschiedliche Stellen zuständig. Ein Gesuch für Anerkennung oder Niveaubestätigung kann über das Online-Portal des SBFI eingereicht werden. Anhang III des Freizügigkeitsabkommens enthält die von der Schweiz übernommenen EU-Richtlinien, darunter die Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen.
Bei nicht reglementierten Berufen gibt das SBFI mit einer Niveaubestätigung Niveau und Dauer der ausländischen Ausbildung im schweizerischen Bildungssystem an. Die Prüfung berücksichtigt nicht den Ausbildungsinhalt und bezieht sich nicht auf einen bestimmten Schweizer Abschluss. Bei reglementierten Berufen bestätigt der Anerkennungsentscheid die Gleichwertigkeit mit einer schweizerischen Berufsqualifikation.
Nicht-formale Weiterbildung und Zertifikate einordnen
Bei nicht-formalen Qualifikationen richten Bildungsanbieter in Österreich ihr Gesuch zunächst an eine der sechs NQR-Servicestellen. Diese leitet das Zuordnungsgesuch an die NQR-Koordinierungsstelle (NKS) weiter. Wird dem Zuordnungsvorschlag stattgegeben, wird die Zuordnung im NQR-Register veröffentlicht und dadurch offiziell. Verwenden Sie für Ihre Dokumentation die konkrete Registereintragung.
In der Schweiz können Abschlüsse der nicht-formalen Weiterbildung nicht in die Qualifikationsrahmen eingestuft werden. Für Weiterbildungen wie CAS, DAS und MAS gibt es keine zuständige Anerkennungsstelle. Werden Weiterbildungen einem Bewerbungsdossier beigelegt, bestimmt der Arbeitgeber ihren Wert. Beschreiben Sie deshalb die nachgewiesenen Kompetenzen, statt eine allgemeine Anerkennungswirkung zu versprechen.
Trennen Sie in der Kursbeschreibung Lernziele, Inhalte und Prüfungsform. Benennen Sie, was Teilnehmende nachweisen sollen und wie die Bewertung erfolgt. Prüfen Sie Anbieternachweise gesondert vom Niveau des Abschlusses. Lassen Sie unklare Zertifikatsversprechen präzisieren, bevor Sie ein Angebot auswählen oder für einen grenzüberschreitenden Einsatz freigeben.
Beispiel: Nachqualifizierung mit deutschem Meisterabschluss planen
Beispiel: Eine Fachkraft mit deutschem Meisterabschluss soll für einen geplanten Einsatz in Österreich oder der Schweiz nachqualifiziert werden. Planen Sie das Angebot anhand der konkreten Zielaufgaben. Behandeln Sie die folgenden Prüfschritte als Arbeitsauftrag, nicht als Zusage einer Anerkennung oder einer ausländischen NQR-Einstufung.
- Abschlussprofil sichern.Erfassen Sie Abschlussbezeichnung, Prüfungsinhalte und berufliche Aufgaben. Im deutsch-schweizerischen Abkommen stehen Abschlüsse der höheren Berufsbildung, Eidgenössischer Fachausweis oder Eidgenössisches Diplom, deutschen Abschlüssen der beruflichen Fortbildung gemäß Berufsprofil gegenüber. Stellen Sie deshalb die dokumentierten Kompetenzen zusammen, statt dem Meisterabschluss selbst eine Schweizer NQR-Stufe zuzuschreiben.
- Österreichischen Einsatz klären.Wenn ein reglementiertes Gewerbe angestrebt wird, klären Sie beim zuständigen Amt der Landesregierung das passende Verfahren. Planen Sie eine Nachqualifizierung anhand der festgestellten Unterschiede. Beschreiben Sie im Kursauftrag, welche Kompetenzen bearbeitet und wie sie geprüft werden sollen. Trennen Sie den Leistungsnachweis vom Gleichhaltungsbescheid.
- Schweizer Anschlusskurs prüfen.Über die Zulassung zu Ausbildungen entscheidet die aufnehmende Institution. Legen Sie ihr den Meisterabschluss mit den dokumentierten Lerninhalten vor und fragen Sie nach den konkreten Zugangsvoraussetzungen. Halten Sie mögliche ergänzende Lernziele schriftlich fest. Verwenden Sie eine Niveaubestätigung nicht als inhaltlichen Vergleich mit einem bestimmten Schweizer Abschluss.
Kursangebote aus dem festgestellten Bedarf ableiten
Benennen Sie in der Angebotsanfrage für Schulungen die festgestellten Kompetenzlücken und die gewünschten Leistungsnachweise. Nutzen Sie eine Vergleichsmatrix für Schulungsanbieter, um Zielkompetenzen, Kursinhalte, Prüfungsform und Bezug zum Anerkennungsverfahren nebeneinander zu erfassen. Fordern Sie für jede behauptete Passung eine nachvollziehbare Begründung.
Wählen Sie den Kurs anhand dieser Anforderungen statt allein anhand einer Niveauangabe.
Beispiel einer Zertifikatsbeschreibung: "Dieser Nachweis dokumentiert die bearbeiteten Lernziele, die geprüften Kompetenzen und die Form des Leistungsnachweises. Eine amtliche Niveauzuordnung wird gesondert ausgewiesen, sofern sie für den konkreten Abschluss besteht." Ergänzen Sie die genaue Abschlussbezeichnung und vermeiden Sie unbelegte Aussagen zur Berufszulassung.
Prüfen Sie Nachweise zur Fachlichkeit anhand der zu vermittelnden Kompetenzen. Halten Sie für den Lerntransfer nach Schulungen fest, welche Arbeitsaufgaben die Fachkraft übernehmen soll und wie deren Anwendung überprüft wird. Bewerten Sie Abschlussniveau, fachliche Passung und praktische Anwendung getrennt. Dokumentieren Sie offene Zulassungsfragen vor der verbindlichen Kursbuchung.


